Ausgeflogen Über mich Kontakt

Pantheon in Rom

Nachdem wir uns noch ein paar Brötchen für unterwegs geschmiert haben, was eigentlich nicht erlaubt ist, machen wir uns auf den Weg zum Pantheon. Mein namenloser Reisebegleiter will mir das antike Bauwerk unbedingt zeigen, es sei «sehr beeindruckend». Ich bin skeptisch, aber für Widerstand zu müde. Also überqueren wir mehrspurige Straßen, manche Autofahrer bremsen sogar für uns. Ich spüre die gefährliche Hitze der Motoren, diesen heißen Hauch des Todes. Fühlt sich gut an.

Wir stehen im Pantheon.
«Ein Zylinder mit aufliegender Kuppel», lese ich aus dem Reiseführer vor, den ich in meinem Koffer gefunden habe.
«Worte vermögen nicht zu beschreiben, wie schön das hier ist», sagt mein Reisebegleiter mit glänzenden Augen.
«Ich finde immerhin die Bodenplatten aus Marmor interessant», erzähle ich mir selbst.
Alle anderen starren in das neun Meter breite Loch in der Decke über unseren Köpfen.
«Das ist das Opaion, oder auch Rauchloch oder Kuppelauge genannt», erklärt mein Reisebegleiter.
«Aha.»
Weißes Sonnenlicht fällt ins Innere. Alles ist erleuchtet, langsam nervt das. Oben sitzt eine misanthropische Taube und scheißt durchs Opaion, den Leuten ins Gesicht. Iiiiiih, schreien sie und es bricht eine milde Panik aus, alles ist Scheiße.
Ob jemand mit einem Taschentuch aushelfen könne. Ich habe zwar eine Tempo-Packung bei mir, wie immer, aber ich will sie mit niemandem teilen! Es kann doch sein, dass ich die selbst noch brauche. Zum Beispiel, wenn mir jemand die Nase bricht, dann muss ich mein Blut aufwischen.

Enttäuschte Nonnen im Pantheon

«Sorry, yes?», unterbricht plötzlich jemand.
Neben mir stehen zwei kleine Nonnen. Sie wollen, dass ich ihren Camcorder der Marke SONY repariere.
«Yes, please», bestätigen sie.
Ich bleibe höflich und verweise entschuldigend auf fehlende Fähigkeiten und fehlendes Werkzeug. Ich hoffe auf Verständnis und gebe den beiden Frauen ihren Camcorder wieder zurück. Sie hatten ihn mir energisch in die Hand gedrückt, als wäre sein defekter Zustand meine Schuld. Die Nonnen sind sichtlich enttäuscht von meiner Unfähigkeit. Ich habe ihnen jeden Glauben an mich (und Gott) genommen.
«Sorry», lüge ich. «Have a nice day!»
Es ist tragisch, denn die beiden Frauen können sich das Pantheon nur noch angucken. Doch welchen Sinn hat das schon, wenn es später keine Beweise für ihren Besuch gibt? Welchen Sinn hat das Reisen, wenn man später keine Filme und Fotos zeigen kann? Keinen, beschließen die beiden Nonnen und verlassen das Pantheon schnellen Schrittes. Sie wollen einen Elektronikfachhandel aufsuchen. Doch draußen überfährt sie eine Vespa. Gott ist beleidigt. Ob jemand als Ersthelfer aushelfen könne.

Die Bodenplatten finde ich wirklich interessant.