In Chicago ankommen

Von Daniel • 1. Juni 20170 Kommentare

Ich habe keine Ahnung, wie wir am Flughafen im Taxi gelandet sind – die frischen Erinnerungen sind schon verblasst. Ich bin hundemüde, einerseits, und hellwach, andererseits. Ein komischer Zustand ist das. Neben mir sitzt meine Freundin, wir schweigen gemeinsam mit dem Fahrer, der uns durch die helle Nacht fährt. Die Straßenlaternen färben die Stadt gelb, den Beton, den Asphalt, die Mülleimer. Nur das Glas der Hochhäuser bleibt tiefschwarz.

Kein Mensch weit und breit, Chicago schläft schon. Träumt davon, so glamourös wie New York City zu sein. Vorne dudelt leise das Radio.

Wir überqueren Brücken und nähern uns dem Stadtzentrum. Da sind dann doch Menschen, ein paar Touristen mit Plastiktüten. Tennissocken. Schirmmützen. Bäuche auf gewölbten Beinen.

Nach einigen roten Ampeln erreichen wir das Warwick, mitten im Loop. Der Taxifahrer steigt aus. Er ist schmächtig, klein und übellaunig. Flaumiger Schnurrbart, graues Hemd, gelbe Augen. Beim Bezahlen redet er doch noch mit uns, er sagt: «OK.»
Wir bezahlen, zerren unsere Koffer aus dem Kofferraum. Der Taxifahrer steigt wieder in sein Taxi, fährt davon, verblasst. Wir tragen unsere Koffer in eines der Hochhäuser. Die Rezeption ist weit oben in den Wolken, der Fahrstuhl braucht ewig. Wir kriegen das WLAN-Passwort und Zimmer #1310 im 13. Stock. Die Aussicht: geht so.

Mit der Müdigkeit kommen auch die Alpträume, die in der Dunkelheit enden.

Vorhänge zu, Licht aus, schlafen – das heißt: es mal versuchen. Zwar kommt irgendwann die Müdigkeit, doch mit ihr kommen auch die Alpträume, die in der Dunkelheit enden. Ich tauche zu schnell auf, zurück an die Oberfläche. Vergessen, wo ich bin. Dumpfe Kopfschmerzen, Blick zum Radiowecker, der viel zu hell leuchtet. Die Uhrzeit blendet, es ist 4 Uhr morgens.

Um kurz vor 7 mache ich den großen Fernseher an, es läuft TODAY auf NBC: gute Laune, schöne Zähne. Hinter uns liegt der Labor Day, heute müssen die Kinder wieder zur Schule und die Erwachsenen dürfen zur Arbeit. Thema der Sendung: viele Staus.

Wir bleiben im Bett, bis die Corner Bakery um die Ecke öffnet. Zum Frühstück esse ich dann Pancakes mit Ahornsirup und Bacon, trinke Caffe Latte und OJ. Körper und Geist sind zufrieden, mein Magen nicht. Wir sind in Chicago, mitten im Loop, umgeben von Autos, Hochhäusern, Menschen und Tauben, die die Krümel auf dem Gehweg aufpicken. Eine neue Stadt, die es zu erkunden gilt.

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